Reisebericht Irland - Keltenkreuze, Kleeblätter und schroffe Küsten

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Ralf53
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Reisebericht Irland - Keltenkreuze, Kleeblätter und schroffe Küsten

Beitrag von Ralf53 »

Der Westen von Irland zählt zu den spektakulärsten Landschaften Europas. Der Ring of Kerry, die Cliffs of Moher, Moor- und Heideflächen. Schmale Teerspuren winden sich entlang der Küste, klettern über kleine Pässe und tauchen hinab zu traumhaften Buchten.

Rotterdam - Hull - Holyhead - Dublin


Das Navi sagt „Fähre fahren“. Autos, LKWs, Camper und eine handvoll Biker warten im Hafen von Rotterdam mit uns auf die Verladung. Die Motorräder dürfen zuerst in den weit geöffneten Schlund der Fähre einfahren. Gurte zum Verzurren der Maschinen liegen für uns bereit. Ich ergattere einen nagelneuen, gepolsterten Spanngurt und verzurre meine Siwi mit wenigen Handgriffen quer über die Sitzbank - fertig. Pünktlich um 19 Uhr legt die Fähre ab, die uns in 12 Stunden nach Hull, im Osten von England, bringen wird. Zeit genug für mich, auf dem Deck die gelb-rot im Meer versinkende Sonne zu genießen.
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Ein erstes Guinness, ein erstes Kennenlernen der Mitfahrer/-in, dann verziehe ich mich in meine Kabine. Das Brummen der Schiffsmotoren und das Vibrieren der Koje sind gewöhnungsbedürftig, doch irgendwann schlafe ich tatsächlich ein.
Frühstück gibt es am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr. Ich wundere mich, dass ich alleine vor dem Speisesaal stehe. Ich habe die Uhr nicht umgestellt!! In England ist es eine Stunde früher. Der Tag fängt gut an.
Gegen 9.00 Uhr rollen wir von Bord. Da uns die Fähre von England nach Irland den Zeitplan vorgibt, geht es von Hull aus 350 km über Schnellstraßen und Autobahnen zum Fährhafen Holyhead, von wo wir in 3 Stunden in die Hauptstadt der Republik Irland, Dublin, übersetzen. Während wir die erste Nacht in Irland im Hotel Academy Plaza verbringen, nächtigt meine Siwi im bewachten Parkhaus um die Ecke.

Durch die Wicklow Mountains zum Rock of Cashel

Wir verlassen Dublin unter einem strahlend blauen Himmel. Unser Guide lotst uns über quirlige Strassen aus der Stadt. Achtung: alle - wirklich alle ohne Ausnahme - fahren hier auf der falschen Straßenseite!!!
Der Motor meiner Silver Wing hat kaum seine Betriebstemperatur erreicht, da tauchen wir in die Hügel der „Wicklow Mountains“ ein. In dieser Berglandschaft mit seinen kristallklaren Seen lässt sich der Alltagsstress schnell vergessen. Das schmale Teerband, das sich Strasse nennt, schlängelt sich durch weite Moorlandschaften. Wälder gibt es hier keine. Wir sind fast allein unterwegs. Zügig, doch entspannt schwingen wir südwärts. Gelegentlich müssen wir in die Eisen gehen, um einigen Schafen den Vortritt zu lassen.
Dann zieht sich der Himmel immer mehr zu. Dunst und Nebel hängen über der grün-braunen Hochebene. Die Stimmung ist mystisch. Man fühlt sich zurückversetzt in eine Zeit, als hier Highlander die Gegend durchstreiften. Das Wetter wechselt zwischen bewölkt und regnerisch hin und her, um sich dann doch für Regen zu entscheiden. Es wird Zeit, die Gummipelle überzuziehen. Im Wassernebel bemerken wir kaum die Straßenkreuzung „Sally Gap“ (503 m), gälisch „Bearna Bhealach Sailearnáin“, einen der höchsten Pässe, wenn nicht überhaupt der höchste ;-) Pass Irlands.
So schnell wie er gekommen ist, so schnell ist der Regen auch wieder vorbei.
Die „Old Military Road“ leitet uns ins „Glenmacness Valley“. Die Briten bauten die Militärstraße durch die Wicklow Mountains, um nach dem Aufstand von 1798, irische Rebellen aufzuspüren. Am „Glenmacness Waterfall“, dessen Wasser hier 80 m über blanken Fels in die Tiefe rauscht, legen wir einen Stopp ein und genießen die Aussicht weit hinab ins Tal.
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Wenige Kilometer weiter, im „Gleann Dá Loch“, dem Tal der zwei Seen, liegen die Ruinen von Irlands berühmtester Klostersiedlung „Glendalough“. In voller Motorradmontur stapfen wir über die Green Road, einen alten Pilgerpfad, durch Wälder, die hier und da einen Blick auf den „Lower Lake“ freigeben. Dann ragt plötzlich der markante Rundturm vor uns 33m in die Höhe, das Wahrzeichen von Glendalough. Das vom heiligen Kevin gegründete Kloster gehört zu den ältesten christlichen Überresten in Europa. Von der einstigen Siedlung sind neben dem Rundturm nur noch die Ruinen einer Kapelle - St. Kevin’s Kitchen - sowie eines Priesterhauses erhalten geblieben, allerdings verleihen die unzähligen Steinkreuze dem Ort eine ganz besondere Stimmung.
Am späten Nachmittag erreichen wir die idyllische Stadt Cashel. Der Ort wird überragt von einer riesigen Burg, dem „Rock of Cashel“. Die Festungsanlage, einst Krönungsstätte von Königen und Sitz von Bischöfen, thront majestätisch auf einem Felsen, den nach einer Legende der Teufel ausgespuckt hat; auch als Sitz von Feen und Geistern wurde sie vor Jahrhunderten verehrt. Von hier oben eröffnet sich uns ein herrlicher Blick über die gesamte Umgebung.
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Am Abend lasse ich mir im Pub unserer Unterkunft das traditionelle Eintopfgericht Irlands schmecken: Irish Stew (Stobhach Gaelach) aus Hammel- oder Lammfleisch, Kartoffeln, Zwiebeln und Petersilie. Einfach nur lecker!

Knockmealdown Mountains und Wild Atlantic Way

Die malerische R668 von Clogheen nach Lismore zieht sich zwischen den Gipfeln Sugarloaf Hill (663 m) und Knockshanahullion (655 m) hinauf zum „Vee Pass“ (340 m). Der Vee ist nach der einzigen (!) Haarnadelkurve auf der Strecke benannt. Auf Irisch bedeutet Vee auch „Straße der Engel“. Fotomotive gibt es in Hülle und Fülle. Im Süden erheben sich die markanten Hügel der Knockmealdown Mountains (794 m) während die Comeraghs (792 m) weiter östlich emporragen. Am Vee verstummen die Motoren unserer Maschinen; wir genießen die Ruhe und haben vor uns einen unbeschreiblichen Blick ins Tal von Cahir.
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Gegen Mittag fahren wir in „Kinsale“ ein. Am kleinen Hafen finden wir mit etwas Glück noch eine Abstellmöglichkeit für meine Silver Wing und die Motorräder. Der lebhafte Ort ist der offizielle Startpunkt des spektakulären „Wild Atlantic Way“, eine der längsten Küstenstraßen Europas, welche entlang der irischen Westküste verläuft und auf der man immer wieder phantastische Aussichten auf den Atlantik hat. Bei einem Bummel durch die schmalen Gassen mit ihren in allen Farben angestrichenen Häusern stelle ich mit Verwunderung fest, dass das „Weiße Haus“ nicht in Washington, sondern in diesem kleinen Städtchen liegt. „White House“ prangt an einer Fassade im Zentrum. Na ja, Reisen bildet ja bekanntlich. In Kinsale habe ich übrigens mein erstes „Scones“ Erlebnis (von vielen weitere). Zusammen mit etwas Butter und Pflaumenmarmelade ist dieser Brotklumpen richtig, richtig lecker.
So gestärkt nehme ich, begleitet vom Geschrei der Möwen, die ersten Kilometer der Küstenstraße unter die Räder. Der Himmel öffnet leider erneut seine Schleusen, dennoch gibt es immer wieder grandiose Ausblicke auf das vom Wind gepeitschte Meer. Apropos Wetter. Das entspricht heute - und fast an allen Tagen - tatsächlich den üblichen Klischeevorstellungen. Ja, es ist in der Tat so, dass wir auf dieser Tour mindestens (!) einmal pro Tag, meistens nachmittags, einen kräftigen Schauer abbekommen. Die „Grüne Insel“ ist schließlich nicht umsonst so grün.Bild
Hinter Rosscarbery, an der keltischen See gelegen, verlassen wir die R597 und biegen in einen von hohen Hecken gesäumten Hohlweg ein. Unscheinbare braune Schilder weisen Drombeg Stone Circleden Weg zu einem kleinen Parkplatz. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch bis sich die ersten Megalithen des „Drombeg Stone Circle“ (auch „The Druid’s Altar“ genannt) vor uns erheben. Der ca. 3.000 Jahre alte Steinkreis wird von 17 eng beieinander liegenden, bis zu 2m hohen, Steinen gebildet, von denen einer flach liegt. Dieser wurde vermutlich als Opfertisch genutzt. Ein Ort der Magie, um den sich unzählige Mythen und Legenden ranken. Der Blick auf den Steinkreis und die dahinter liegenden Grundmauern zweier Hütten gibt vor der Kulisse der umliegenden grünen Hügel und dem entfernten Blau des Meeres ein einzigartiges Bild ab.
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Wir streben westwärts und erreichen unvermittelt das Ufer der Bantry Bay. Ist das eine Flussmündung oder schon der Atlantik? Diese Frage ist letztendlich zweitrangig, da das Wasser zwischenzeitlich wieder von oben kommt. Sturzbachartig. Windböen peitschen um den Helm. Weltuntergangsstimmung macht sich breit; die anderen Mopeds sind nur noch schemenhaft zu erkennen, aber wir müssen da durch.
Die N71 folgt nur kurz dem Verlauf der Bantrybucht und windet sich dann hinter dem 130 Seelen Dorf Glengarriff (eine lang gezogene Straße, eine Kreuzung und mittendrin der Friedhof), nach Norden. Die in weiten Bögen verlaufende Auffahrt, von Mauern und Hecken gesäumt, soll an anderen Tagen angeblich traumhafte Ausblicke auf die Caha Mountains und die Bantry Bay bieten. Heute ist da nur Dunst. Die Nationalstrasse durchquert den Eichenwald von Glengarriff, neben dem Killarney National Park der älteste Irlands.
Der höchste Punkt der Strasse, der „Caha Pass“ (332 m) an der Grenze zwischen den Counties Cork im Süden und Kerry im Norden, führt allerdings nicht über den Bergkamm, sondern durch einen naturbelassenen Tunnel.
Weiterlesen auf meiner Homepage >>> http://motorroller-info.de/html/irland.html ;-) Hier findet ihr weitere Bildergalerien, Videos und GPS-Tracks zur Tour. Viel Spass!
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