Gebrauchtwagenkauf - Unfall bei der Probefahrt

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dannym92
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Gebrauchtwagenkauf - Unfall bei der Probefahrt

Beitrag von dannym92 »

Hallo liebe Community,

ich habe mich in eurem Forum angemeldet, weil ich ein großes Problem habe.
Ich bin 18 Jahre jung und habe vor mir ein Auto zu kaufen. (Habe meinen FS mit 17 vor knapp 5 Monaten gemacht)
Auf der Suche bin ich auf einen Händler in meinem direkten Umkreis gestoßen, der einen Golf II von 1991 zu verkaufen hatte mit frischem TÜV für 950,- VB.
Nach einem Gespräch und einer Begutachtung des Wagens meinerseits (soweit ich dafür Verständnis habe), bot er mir eine Probefahrt an.

Trotz eines ersten, eher schlechten Eindrucks (der Wagen war komplett verschmutzt, woraufhin mir der Verkäufer sagte, der Vorbesitzer habe damit Schafe Transportiert. Sehr seltsam.), nahm ich das Angebot an und machte mich auf den Weg. Der Händler gab mir jedoch weder Papiere, noch nahm er meine Personalien auf oder ließ sich meinen Führerschein zeigen, bevor er mich losschickte.

Ich fuhr eine kleine Strecke und hielt auf dem Parkplatz des Hellweg Baumarktes, der in der Nähe liegt, um mir noch ein paar andere Sachen am Fahrzeug anzuschauen.
Dieses getan und immer mehr den Eindruck gewonnen, das Auto nicht kaufen zu wollen, fuhr ich wieder los , drehte eine Runde auf dem Parkplatz und fuhr zur Ein-/Ausfahrt.
Ich hielt, schaute nach links und rechts und sah dabei links ein Auto heranfahren, welches immer langsamer wurde und rechts blinkte.
Ich ging davon aus es würde ebenfalls auf den Hellweg Parkplatz wollen, schaute erneut nach rechts und fuhr los. Dann krachte es.
Das vermeintlich abbiegende Auto hatte plötzlich wieder beschleunigt und ich war ihm reingefahren.
Nach einer kurzen, recht hektischen Auseinandersetzung mit dem schreienden Beifahrer wurde der Schaden begutachtet und von beiden Parteien Fotos davon gemacht.
Es war offensichtlich nur ein geringer Blechschaden am Kotflügel des anderen Autos (ein schwarzer Skoda Kombi), und eine Verschiebung der Kunststoffstoßstange am Golf, da ich höchstens mit Schrittgeschwindigkeit losgefahren war.
Nach dem Verständigen der Polizei wurden Personalien ausgetauscht und von der Fahrerin (die übrigens nach der ersten Aufregung eine sehr, sehr nette und freundliche Dame war) die Aussage des Beifahrers - sie hätten garnicht geblinkt, denn sie wollten auf die Autobahn - revidiert indem sie mir bestätigte, sie wollte auf den Parkplatz des daneben gelegenen Pflanzenhandels Dehner, ca 30m-50m weiter.
Nach dem Eintreffen der Polizei wurde sich kurz Unterhalten, überprüft, ob die ausgetauschten Daten korrekt sind und der Unfall (kulanter Weise, denn ich Depp hatte ja die Papiere des roten Schildes nicht dabei - und das als Fahranfänger mitten in der Probezeit) nicht aufgenommen. Außerdem wiederholte die Fahrerin erneut vor der Polizistin, dass sie eben zu Dehner gewollt habe und frühzeitig geblinkt hätte.
Nachdem die Polizistinnen weg waren verabschiedete sich die andere Partei und ich verständigte einen Bekannten und meinen Vater, sie sollen vorbeikommen, weil der Wagen nicht mehr ansprang und ich Hilfe brauchte, wie ich es dem Händler mitteile.
Nach endlos scheinender Wartezeit kam der bekannte zuerst und ich erklärte ihm das Vorgefallene.
Kurz vor eintreffen meines Vaters fuhr der Händler mit einem grimmigen Gesichtsausdruck auf den Parkplatz und ich schilderte auch ihm kurz den Vorfall.
Dann traf mein Vater ein und unterhielt sich mit dem Händler, wie die Angelegenheit nun Verlaufen würde.
Der Händler forderte zunächst ein, dass die Höherstufung seinerseits in der Versicherung von mir getragen werden müsse und außerdem der entstandene Schaden.
Mein Vater erwiderte, dass dies das Risiko des Händlers sei und ich ja nichteinmal eine AGB, in der dies zu verankern sei, zu Gesicht bekommen hätte, geschweige denn unterschrieben. (Er hatte zuvor kurz mit unserem Versicherungsagenten gesprochen, der ihm dies kurz so erklärte)
Daraufhin sagte der Händler, er würde sofort ein Gutachten erstellen lassen und seinen Anwalt konsultieren.
Seine Schätzung des Schadens belief sich auf 600-700 Euro. (Ich weiß, dass seine schätzung weniger relevant ist, wollte dies aber trotzdem hier aufführen.)
Wir verabschiedeten uns händeschüttelnd.
Das alles spielte sich heute Vormittag ab ca 11 Uhr ab.

Meine Fragen dazu:
-Wer hat die Schuld am Unfall?
-Wer würde bei einer Schuldteilung für den Schaden am Probefahrzeug aufkommen?
-Wäre die Schätzung von 600 Euro realistisch? (Bei einem Verkaufsangebot von 950 VB und einem Insgesamt mehr als schlechten Eindruck)
-Gibt es bekannte, vergleichbare Präzedenzfälle?
-Müsste ich das Gutachten und seinen Anwalt im Streitfall bezahlen, falls ich verliere?
-Was kann noch auf mich zukommen?

Zu sagen wäre eventuell noch, dass dies nicht der erste Unfall des Fahrzeugs gewesen sein kann, da ich bereits hinten eine Delle gesehen habe, woraufhin mir der Verkäufer sagte, "er hätte da schonmal einen drauf bekommen".

Mehr fällt mir dazu momentan nicht ein.
Falls nötig: Fotos wären vorhanden.
Falls sonst noch etwas offen sein sollte, bitte fragen und ansonsten: Bitte helft mir!!

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Erik.Ode
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Re: Gebrauchtwagenkauf - Unfall bei der Probefahrt

Beitrag von Erik.Ode »

Hallo,

du schilderst sehr ausführlich und verständlich. Dafür ein Pluspunkt und Daumen hoch.
Meistens müssen wir raten, wenn die Leute hier über ihre Probleme berichten.
Wenn ich es richtig verstanden habe, dann gibt es keinen schriftlichen Kaufvertrag ? Einen mündlichen Kaufvertrag würde ich nur akzeptieren, wenn der Verkäufer noch einen Zeugen hätte. Davon gehe ich mal nicht aus.
Was haben wir dann für eine Situation ? Ich würde zunächst auf eine Probefahrt tippen. Damit sind IMHO alle Risiken beim Verkäufer. Es wurde ja nichts anderes vereinbart.
Damit schließe ich mich der Meinung des Vaters an. Warte auf mögliche Forderungen des Händlers, lehne die Forderungen ab und schalte notfalls einen RA ein.
Der Sachverhalt scheint verschiedene Fallen zu haben. Da ist der Rat eines erfahrenen Verkehrsrechtsanwaltes möglicherweise GOLD wert !
Gruß Erik.Ode
- alle Angaben, wie immer, ohne Gewähr ! ;-) -

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